Die Shoa zu Kriegsende

in Österreich

2013 fiel mir die Chronik meines Urgroßvaters aus Fertöboz/Holling am Neusiedler See in die Hand, in der auf S. 332 steht:

»Am 15 Jänner wurden durch Holling circa 1000 Juden hinauf fortgetrieben wohin wissen wir nicht.«

Zwei Dorfbewohner, damals 8 und 17 Jahre alt, waren Augenzeugen des Menschenzugs und erzählten von SS-Verbrechen im nahen Wald, Prof. Szita schickte mir 25 DEGOB Protokolle, und damit begannen Recherchen, die mich bis heute beschäftigt haben. Ab 2019/20 lieferte google translate sinnerfassende Übersetzungen ungarischer Texte, so dass ich die über die Zeit etwa 1.500 DEGOB Überlebenden Berichte jüdischer Ungarn auswerten konnte, die von Oktober 1944 und bis in die letzten Kriegstage an die Gestapo ausgeliefert wurden und/oder zu Kriegsende in Österreich waren.


Sehr wenig ist bekannt über diese letzte Phase des Genozids an den ungarischen Juden und an jüdischen Häftlingen anderer Nationen im Zeltlager Mauthausen und im Waldlager Gunskirchen; was bekannt ist, ist maßgeblich zu revidieren. Das geht aus 942 Berichten von 1160 Menschen hervor, die in die Schanzlager des Südostwalls deportiert worden waren oder nach früheren Deportationen nach Mauthausen und dessen Außenlager überstellt worden waren. In Verbindung mit anderen Quellen vermitteln sie ein kollektives Narrativ über die Shoa zu Kriegsende in Österreich wie es keine einzelne Person je geben könnte. Ihnen soll auf dieser Website Stimme gegeben werden.


Joana Krizanits

Wien, 22. August 2026